In Szentlőrinc gibt es ein Projekt im Bereich der erneuerbaren Energien, das die Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit der Gemeinde spürbar stärkt: Die Wärmeerzeugung des städtischen Fernwärmesystems wird durch ein geothermisches Heizkraftwerk gewährleistet, das durch den Ersatz der früheren erdgasbasierten Fernwärme die Wärmeenergie des vor Ort verfügbaren Thermalwassers nutzt. Mit diesem System werden rund 900 Wohnungen mit geothermischer Energie beheizt, und die Lösung eignet sich auch für den Anschluss öffentlicher Einrichtungen.
Die technische Grundlage der geothermischen Wärmeerzeugung bildet ein Bohrlochpaar: Das aus dem ca. 1800 Meter tiefen Förderbohrloch kommende Thermalwasser hat eine Temperatur von ca. 86–87 °C und eine maximale Fördermenge von ca. 25 l/s. Die Wärme gelangt nicht direkt in den Fernwärmekreislauf, sondern wird im Heizwerk über Wärmetauscher an das Fernwärmenetz abgegeben, sodass das Thermalwasser und das Fernwärmeträgermedium voneinander getrennt bleiben. Das abgekühlte Thermalwasser wird vom System in die wasserführende Schicht zurückgedrückt (die Sockeltiefe des Rückpressbohrlochs beträgt 1655 m), was ein Schlüsselelement für den langfristig nachhaltigen Betrieb darstellt. Die Größenordnung des geothermischen Heizkraftwerks in Szentlőrinc lässt sich gut daran ablesen, dass die Projektdaten eine Leistung in der Größenordnung von ~3 MW und eine Kapazität von 55 000 GJ ausweisen, während die Wärmeübertragungsinfrastruktur auf der Fernwärmeseite mit Mehr-Megawatt-Wärmetauschern die Netzanbindung des Systems gewährleistet.
Der größte Vorteil der geothermischen Fernwärme in Szentlőrinc besteht darin, dass der Primärenergiebedarf für die Wärmeerzeugung nicht von importierten Brennstoffen abhängt: Im Mittelpunkt des Betriebs steht die lokale geothermische Wärme. In betriebslogischer Hinsicht bedeutet dies, dass der Erdgasverbrauch sinkt und damit auch jene Kostenkomponente, die bei der Fernwärmeerzeugung die größte Preis- und Versorgungsrisikobelastung darstellt: die Anschaffungskosten für Erdgas. Die Kosten für den Betrieb des Systems betragen natürlich nicht „Null“ – es werden Strom, Wartung und Betrieb benötigt –, aber der teuerste und volatilste Faktor bei der Wärmeerzeugung, der Primärbrennstoff, tritt deutlich in den Hintergrund. Darüber hinaus ist geothermische Energie eine wetterunabhängige, rund um die Uhr verfügbare Wärmequelle, was im Hinblick auf die Planbarkeit der Fernwärmeversorgung von herausragendem Wert ist.
Die Umstellung auf erneuerbare Wärme hat auch Vorteile für die Umwelt: Durch den Ersatz fossiler Brennstoffe werden die lokalen Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen verringert, was bei einem städtischen Heizsystem nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der Luftqualität ist. Das Beispiel von Szentlőrinc geht daher über eine einzelne Investition hinaus: Es vermittelt die Botschaft, dass erneuerbare Energien in Baranya kein theoretisches Ziel sind, sondern eine funktionierende, mit industriellem Ansatz geplante Infrastruktur, die eine stabilere Wärmeversorgung, eine geringere Abhängigkeit von Primärenergie und ein wettbewerbsfähigeres kommunales Umfeld schafft.