Der Mensch lebt im Raum und ist mit dem Raum, in dem er lebt, verbunden. Wir fühlen uns unserer Straße, unserem Dorf oder eben unserer Stadt verbunden. Wir fühlen uns der Landschaft verbunden, die unsere Identität maßgeblich prägt. Da administrative Grenzen in vielen Fällen weitgehend mit ethnisch-kulturellen und naturgeografischen Grenzen übereinstimmen, fühlen wir uns auch mit jener administrativen Einheit verbunden, in der wir Tag für Tag leben. Ein Beispiel dafür ist ein Komitat. Für uns ist das Baranya. Unser Baranya.
In der öffentlichen Debatte taucht immer wieder die Frage auf, ob die einzelnen Komitate aus dem gemeinsamen staatlichen Topf genügend Mittel aus der EU-Entwicklungspolitik erhalten, die ihnen (nach ihrer eigenen Einschätzung) zustehen. Dies ist ein natürlicher Wettbewerb, der aus der Identität resultiert, denn wer möchte nicht, dass seine Umgebung, der natürliche und verwaltungstechnische Raum, der ihn prägt, als etwas angesehen wird, das geschätzt wird?
Das ist natürlich zu einem großen Teil ein subjektiver Maßstab, der jedoch wissenschaftlich nicht fundiert und auch nicht nachweisbar ist. Glücklicherweise gibt es jedoch objektive Faktoren und Indikatoren, die uns der Wahrheit näherbringen, auch wenn sie kein vollständiges Bild vermitteln können.
Die Untersuchung des kürzlich abgeschlossenen EU-Finanzierungszeitraums 2014–2020 eignet sich hierfür hervorragend. Aufgrund der sogenannten n+3-Regel wurden die Investitionen bis Ende 2023 im ganzen Land abgeschlossen (mit nur ein oder zwei Ausnahmen), sodass wir die tatsächliche Situation (den abgeschlossenen Zustand) untersuchen können.
Aus den öffentlich zugänglichen Daten lässt sich hier ableiten, wie viel EU-Fördermittel insgesamt für die in dem jeweiligen Komitat (und in unserer Untersuchung speziell in Budapest) geplanten Projekte (ggf. aufgeschlüsselt nach operationellen Programmen) beantragt wurden, wie viele Förderanträge dies bedeutete, wie viele Anträge bewilligt wurden und wie hoch die tatsächliche Fördersumme war. Dies umfasst die folgenden operationellen Programme:
- Operatives Programm zur Entwicklung der Humanressourcen
- Operationelles Programm für Wirtschaftsförderung und Innovation
- Operatives Programm zur integrierten Verkehrsentwicklung
- Operationelles Programm für Umwelt und Energieeffizienz
- Operatives Programm zur Entwicklung der öffentlichen Verwaltung und der öffentlichen Dienstleistungen
- Ungarisches Operationelles Programm für die Fischerei
- Operationelles Programm für Raum- und Siedlungsentwicklung
- Operatives Programm „Wettbewerbsfähiges Mittelungarn“
- Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums
Wenn man die Daten von allgemeinem Interesse herausfiltert, stellt man fest, dass das Interesse an den konkreten (also nicht landesweiten und nicht direkt von der Regierung oder staatlichen Stellen durchgeführten) Investitionen, die in den Komitaten geplant waren, auch landesweit sehr groß war
- Insgesamt haben zivilgesellschaftliche, wirtschaftliche, kommunale und staatliche Akteure aus Ungarn 489.932 Förderanträge für die oben genannten operationellen Programme eingereicht, davon übrigens 21.625 (4,41 %) aus dem Komitat Baranya,
- Der Förderbedarf der eingereichten Projekte belief sich auf mehr als 20.600 Milliarden Forint (davon entfallen 704,4 Milliarden Forint auf Baranya, was einem Anteil von 3,42 % entspricht),
- Im Rahmen der oben genannten Programme wurden landesweit insgesamt 357.885 Anträge bewilligt (davon 15.106 in Baranya); der Gesamtwert der bewilligten Fördermittel belief sich auf 14.044 Milliarden Forint, davon entfallen mehr als 422 Milliarden HUF auf Baranya, was 3,01 % des landesweiten Wertes entspricht.
Nachdem wir das nun geklärt haben, wollen wir uns ansehen, wie sich die Rangfolge der 20 untersuchten Einheiten (19 Komitate und Budapest) hinsichtlich der bewilligten Fördermittel darstellt:
| Rangliste | Untersuchte Verwaltungseinheit | Gesamte bewilligte EU-Fördermittel im Zeitraum 2014–2020 |
| 1 | Budapest | 7 172 059 694 542 HUF |
| 2 | Szabolcs-Szatmár-Bereg | 702 696 089 102 HUF |
| 3 | Hajdú-Bihar | 677 209 017 392 Ft |
| 4 | Bács-Kiskun | 577.781.204.354 Ft |
| 5 | Borsod-Abaúj-Zemplén | 554 401 415 695 Ft |
| 6 | Csongrád-Csanád | 456 628 513 902 Ft |
| 7 | Baranya | 422 415 366 321 Ft |
| 8 | Győr-Moson-Sopron | 419 481 563 728 Ft |
| 9 | Pest | 346 221 749 421 Ft |
| 10 | Somogy | 338 051 361 774 Ft |
| 11 | Békés | 326 387 677 758 Ft |
| 12 | Jász-Nagykun-Szolnok | 320 358 881 802 Ft |
| 13 | Veszprém | 279 989 944 477 Ft |
| 14 | Fejér | 278 662 923 480 Ft |
| 15 | Heves | 260 347 116 519 Ft |
| 16 | Zala | 210 918 434 192 Ft |
| 17 | Tolna | 202 685 221 221 Ft |
| 18 | Komárom-Esztergom | 178 949 276 351 Ft |
| 19 | Vas | 175 039 130 103 Ft |
| 20 | Nógrád | 144 484 180 688 Ft |
Es ist natürlich nicht überraschend, dass Budapest in der Rangliste der bewilligten Fördermittel mit großem Abstand an erster Stelle steht: Für Projekte in Budapest wurden mehr Fördermittel bewilligt als für alle Komitate zusammen.
Baranya belegt in dieser Rangliste den siebten Platz; wenn man also nur die Höhe der bewilligten Fördermittel betrachtet, muss sich der Landkreis nicht verstecken, zumal er in der Region Süd-Transdanubien deutlich vor den Landkreisen Somogy und Tolna liegt.
Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Höhe der bewilligten Fördermittel allein kein realistisches Bild vom tatsächlichen Prestige eines jeweiligen Landkreises in der Entwicklungspolitik vermittelt, denn es macht einen Unterschied, ob eine Fördermittelzuweisung in Höhe von 1000 Euro in einen Landkreis mit 300 000 Einwohnern oder in einen mit 100 000 Einwohnern fließt.
Aus diesem Grund haben wir in unserer Untersuchung auch untersucht, welchen Wert die bewilligten Fördermittel pro Einwohner des Landkreises ausmachen, wobei wir uns auf Daten von öffentlichem Interesse sowie auf die offiziellen Daten der Volkszählung von 2022 stützten. Die Kennzahlen in tabellarischer Form:
| Rangliste | Untersuchte Verwaltungseinheit | Gesamte bewilligte EU-Fördermittel im Zeitraum 2014–2020 | Einwohnerzahl laut Volkszählung 2022 | EU-Fördermittel pro Einwohner des Landkreises im EU-Zyklus 2024–2020 |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Budapest | 7 172 059 694 542 HUF | 1 685 342 | 4 255 552 HUF |
| 2 | Szabolcs-Szatmár-Bereg | 702 696 089 102 Ft | 529 381 | 1 327 392 HUF |
| 3 | Hajdú-Bihar | 677 209 017 392 Ft | 519 141 | 1 304 480 Ft |
| 4 | Baranya | 422 415 366 321 Ft | 354 022 | 1 193 190 Ft |
| 5 | Csongrád-Csanád | 456 628 513 902 Ft | 391 184 | 1 167 299 Ft |
| 6 | Bács-Kiskun | 577 781 204 354 Ft | 495 318 | 1 166 485 Ft |
| 7 | Somogy | 338 051 361 774 Ft | 293 470 | 1 151 911 HUF |
| 8 | Békés | 326 387 677 758 Ft | 315 222 | 1 035 422 Ft |
| 9 | Tolna | 202 685 221 221 Ft | 207 931 | 974 772 Ft |
| 10 | Heves | 260 347 116 519 Ft | 285 892 | 910 648 Ft |
| 11 | Jász-Nagykun-Szolnok | 320 358 881 802 Ft | 355 809 | 900 368 Ft |
| 12 | Győr-Moson-Sopron | 419 481 563 728 Ft | 465 945 | 900 281 Ft |
| 13 | Borsod-Abaúj-Zemplén | 554 401 415 695 Ft | 623 024 | 889 856 HUF |
| 14 | Veszprém | 279 989 944 477 Ft | 335 361 | 834 891 Ft |
| 15 | Zala | 210 918 434 192 Ft | 260 800 | 808 736 Ft |
| 16 | Nógrád | 144 484 180 688 Ft | 182 459 | 791 872 Ft |
| 17 | Vas | 175.039.130.103 Ft | 249 513 | 701 523 Ft |
| 18 | Fejér | 278 662 923 480 Ft | 419 656 | 664 027 HUF |
| 19 | Komárom-Esztergom | 178 949 276 351 Ft | 300 631 | 595 246 HUF |
| 20 | Pest | 595 246 Ft | 1 333 533 | 259.627 Ft |
Die Indikatoren in grafischer Reihenfolge:

In der Rangliste pro Einwohner liegt Budapest weiterhin mit großem Abstand an der Spitze, gefolgt von den Komitaten, die einen deutlichen Aufholprozess verzeichnen.
Hier wird deutlich, dass der Komitat Baranya mit seinem 4. Platz einen herausragenden Rang einnimmt, was bedeutet, dass die Auffassung, Baranya sei in der ungarischen EU-Entwicklungspolitik unterfinanziert und vernachlässigt, sachlich nicht zutrifft. Dass die zu fördernden Randbezirke (Szabolcs-Szatmár-Bereg, Hajdú-Bihar, Baranya und Csongrád-Csanád-Csanád) intensiv zu fördern, geht aus der obigen Rangliste klar hervor.
Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die vorliegende Analyse weder Projekte der Zentralregierung noch sowie auf individuelle Förderungen und Steuervergünstigungen für multinationale Unternehmen, die sich im Land niederlassen; dennoch belegt sie eindeutig, dass die für uns so wichtige Region Baranya im bereits abgeschlossenen EU-Zyklus eine herausragende Rolle und einen hohen Prestigewert innehatte.
Im nächsten Teil unserer Artikelserie richten wir den Schwerpunkt unserer Analyse auf die sektorale Verteilung und die internen Anteile der Projekte in Baranya.