Die Universität Pécs hat ein mehrjähriges Forschungsprogramm erfolgreich abgeschlossen, in dessen Rahmen untersucht wurde, unter welchen Bedingungen inländische Unternehmen eine größere Rolle in der ungarischen Industrie spielen können, wie sie sich enger in internationale Wertschöpfungsketten integrieren lassen und was die ungarische Wirtschaft widerstandsfähiger, innovativer und in der Lage machen würde, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen.
Das Programm mit dem Titel „Stärkung der Rolle inländischer Unternehmen bei der Reindustrialisierung des Landes“ (Programm-ID: TKP2021-NKTA-19) war ein bedeutendes Forschungsprojekt der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Pécs. Eine der zentralen Fragen der Forschung, die im Rahmen des Thematischen Exzellenzprogramms des Nationalen Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsfonds durchgeführt wurde, war, wie das auf ausländischem Betriebskapital basierende industrielle Wachstum weiter ausgebaut werden kann, damit auch inländische Unternehmen in immer größerem Umfang davon profitieren können. Nach Angaben des NKFIH erhielt das Programm Fördermittel in Höhe von 1,289 Milliarden Forint.
Ausgehend von den nach Abschluss des Projekts veröffentlichten Ergebnissen lautet eine der wichtigsten Erkenntnisse der Forscher, dass die bloße Ansiedlung großer ausländischer Unternehmen in Ungarn für eine langfristige wirtschaftliche Konvergenz nicht ausreicht. Mindestens ebenso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie tief diese Unternehmen in die heimische Wirtschaft integriert sind, inwieweit sie auf ungarische Zulieferer zurückgreifen, welches Wissen und welche Technologien an lokale Unternehmen fließen und wie viel Autonomie die in Ungarn tätigen Tochtergesellschaften bei Beschaffungs- und Entwicklungsentscheidungen haben.
Es reicht nicht aus, Investitionen hierher zu holen – sie müssen auch in die ungarische Wirtschaft integriert werden.
Eine besonders wichtige Erkenntnis der Untersuchung ist, dass die tatsächlichen Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung verstärkt werden, wenn sich im lokalen Umfeld der Investition auch inländische Zulieferer- und Wissensnetzwerke entwickeln.
In der Praxis bedeutet dies, dass der Wert eines in Ungarn tätigen multinationalen Unternehmens nicht allein davon abhängt, wie viele Arbeitsplätze es schafft oder wie viel Produktionskapazität es im Land aufbaut. Langfristig ist es mindestens ebenso wichtig, ob ungarische Unternehmen in der Lage sind, als Zulieferer mit ihm zusammenzuarbeiten, ob sie sich das erforderliche Know-how in den Bereichen Technologie, Qualitätssicherung und Organisation aneignen können und ob sie später in der Lage sein werden, immer komplexere Aufgaben mit höherer Wertschöpfung zu übernehmen.
Dies wird durch eine aktuelle Studie untermauert, die im Rahmen des Projekts durchgeführt wurde und die Lieferantenbeziehungen eines in Ungarn tätigen deutschen Fertigungsunternehmens analysierte. Die Studie sollte klären, was eine stärkere Einbindung ungarischer Lieferanten einschränkt: die technologische und organisatorische Bereitschaft der einheimischen Unternehmen oder die Tatsache, dass der ungarischen Tochtergesellschaft des multinationalen Konzerns die entscheidende Autonomie fehlt, um neue lokale Lieferanten einzubinden. Der Untersuchung zufolge müssen diese beiden Faktoren gemeinsam berücksichtigt werden: Sowohl inländische KMU, die auf die Einbindung von Zulieferern vorbereitet sind, als auch eine angemessene lokale Entscheidungsautonomie des Unternehmens sind erforderlich.
Auch aus Sicht der Investitionsförderung bedeutet dies einen erheblichen Perspektivwechsel. Eine erfolgreiche Investition endet nicht mit dem Bau der Produktionsstätte. Der nächste Schritt besteht darin, die Entwicklung eines lokalen wirtschaftlichen Ökosystems rund um die Investition zu fördern, das Zulieferer, Dienstleister, Bildungseinrichtungen, Forschungsinstitute und Innovationspartner umfasst.
Der Wissensfluss könnte einer der wichtigsten wirtschaftlichen Vorteile sein
Die Forschung an der Universität Pécs legt besonderen Wert auf den Wissensfluss. Wenn ein lokales Unternehmen zum Zulieferer eines großen internationalen Konzerns wird, erhält es oft nicht einfach nur einen neuen Auftrag. Es muss strengere Qualitätsanforderungen erfüllen, neue Technologien einführen, seine Produktions- und Managementsysteme verbessern und seine Digitalisierung, Logistik oder sogar seine eigenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ausbauen.
Diese Veränderungen könnten später auch auf anderen Märkten einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Zusammenarbeit mit Zulieferern kann somit einen Lernprozess in Gang setzen, der es dem inländischen Unternehmen im Laufe der Zeit ermöglicht, über die reine Lieferung von Komponenten oder Dienstleistungen hinauszugehen und komplexere Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben zu übernehmen.
Das Ziel besteht daher darin, „in der Wertschöpfungskette aufzusteigen“: den Anteil von Forschung und Entwicklung, Design, Ingenieurwesen, Digitalisierung und höherwertigen Unternehmensdienstleistungen in Ungarn im Vergleich zu Tätigkeiten zu erhöhen, die rein auf Montage basieren oder eine geringere Wertschöpfung aufweisen.
Warum spielt es eine Rolle, wie unabhängig eine lokale Tochtergesellschaft ist?
Die Untersuchung lenkte zudem die Aufmerksamkeit auf ein weniger auffälliges, aber äußerst wichtiges Thema der Unternehmensführung: Der Grad der Entscheidungsautonomie multinationaler Tochtergesellschaften, die in Ungarn tätig sind, spielt eine wichtige Rolle.
Wenn beispielsweise die Entscheidung über die Lieferantenauswahl ausschließlich bei der ausländischen Zentrale liegt, hat die Geschäftsleitung eines ungarischen Werks kaum die Möglichkeit, lokale Unternehmen einzubeziehen, selbst wenn diese fachlich geeignete Partner wären. Mit größerer lokaler Autonomie könnten sich jedoch mehr Möglichkeiten ergeben, Lieferantenbeziehungen aufzubauen, lokale Innovationen zu erproben oder sogar neue F&E-Funktionen in Ungarn zu etablieren.
Die zunehmende Integration der Unternehmen in den heimischen Markt ist daher nicht nur eine Frage der Förderung von KMU. Es ist auch wichtig, dass die in Ungarn tätigen Tochtergesellschaften zunehmend führende Positionen innerhalb ihrer internationalen Konzerne einnehmen und nicht nur als operative Produktionseinheiten, sondern auch als eigenständige Kompetenz-, Entwicklungs- oder Entscheidungszentren fungieren.
Auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ist dies ein zentrales Thema.
Der Zeitraum des Forschungsprogramms war von einer Reihe wirtschaftlicher Schocks geprägt: einer globalen Pandemie, Störungen in den Lieferketten, einer Energiekrise, Inflation, geopolitischen Konflikten und raschen technologischen Veränderungen. Diese Entwicklungen haben die Risiken deutlich gemacht, die entstehen können, wenn eine Wirtschaft zu stark von einer begrenzten Anzahl von Sektoren, einigen wenigen großen Akteuren oder weit entfernten Lieferketten abhängig ist.
Ein wichtiger Aspekt der Forschung an der Universität Pécs bestand daher darin, zu untersuchen, wie die Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der ungarischen Wirtschaft gestärkt werden könnten. Eine stabilere inländische Lieferantenbasis, eine Zunahme der Zahl wissensintensiver Unternehmen, technologischer Fortschritt und eine stärker diversifizierte Wirtschaftsstruktur könnten in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle spielen.
Aus der Perspektive von Baranya ist all dies von besonderer Bedeutung. In den letzten Jahren verzeichnete der Komitat ein gleichzeitiges Wachstum in den Bereichen Industrie mit hoher Wertschöpfung, universitäre Forschung und Entwicklung sowie Innovationsinfrastruktur. Der weitere Ausbau der Verbindungen zwischen der Forschungsbasis der Universität Pécs, lokalen Unternehmen, Industrieparks, der Handelskammer und dem Berufsbildungssystem kann genau die Art von regionaler Zusammenarbeit fördern, die derzeit in Forschungskreisen landesweit diskutiert wird.
Es wurden auch internationale wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen
Auch die wissenschaftlichen Erfolge des Projekts sind beachtlich. Laut einer Pressemitteilung der Universität Pécs hat das Forschungsteam Ergebnisse erzielt, die über die ursprünglichen wissenschaftlichen Ziele hinausgingen; mehrere ihrer Studien wurden in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, und weitere Veröffentlichungen in führenden Fachzeitschriften sind in Vorbereitung. Als Ergebnis des Programms wurde beim Verlag Akadémiai Kiadó ein Lehrbuch veröffentlicht, das sich mit aktuellen Themen der Verhaltensökonomie befasst.
Das Forschungsprojekt wird von Prof. Dr. József Vörös geleitet, einem Forschungsprofessor und emeritierten Professor an der Universität Pécs (PTE) sowie ordentlichem Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Nach Angaben der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Pécs knüpft bereits ein neues Forschungsprojekt an die Ergebnisse dieses Forschungsprogramms an: Ziel dieses Folgeprojekts ist es, die Untersuchungen zur Reindustrialisierung fortzusetzen, die Forschungsaktivitäten auszuweiten und die internationalen wissenschaftlichen Beziehungen zu stärken. Nach Angaben der Fakultät hatte sich bis zum Ende des vorangegangenen Programms die Zahl der herausragenden Fachpublikationen der Kategorie Q1 verdoppelt, und junge Forscher hatten an Fortbildungsprogrammen unter anderem an der Harvard Business School, der MIT Sloan School of Management und der London School of Economics teilgenommen.
Die Bedeutung der Forschung für Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung
Die vielleicht wichtigste praktische Erkenntnis aus dem PTE-Projekt ist, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht auf einer einzigen Großinvestition oder einem einzelnen wirtschaftspolitischen Instrument beruht. Nachhaltige Entwicklung erfordert eine Kombination aus ausländischen Investitionen, starken inländischen Unternehmen, Wissenstransfer, Innovation und gut funktionierenden Lieferantenbeziehungen.
Eine der Herausforderungen in der kommenden Zeit könnte daher darin bestehen, im Umfeld der groß angelegten Unternehmensinvestitionen in Ungarn und insbesondere im Komitat Baranya möglichst viele lokale wirtschaftliche Verbindungen zu knüpfen. Dies erfordert die Identifizierung und Förderung potenzieller Zulieferer, die Stärkung von Partnerschaften zwischen Hochschulen und der Wirtschaft, die Verbesserung der technologischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) sowie die Sicherstellung, dass im Rahmen der Investitionen in die Region zunehmend Funktionen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Technik, Dienstleistungen und Entscheidungsfindung vor Ort angesiedelt werden.
Die in Pécs durchgeführten Forschungsarbeiten tragen somit nicht nur zum wissenschaftlichen Verständnis der Reindustrialisierung Ungarns bei. Sie suchen auch nach Antworten auf praktische Fragen, die unmittelbar darüber entscheiden, wie viel Wert eine neue Investition in der lokalen Wirtschaft hinterlässt, inwieweit sie ungarische Unternehmen stärkt und inwieweit sie die Widerstandsfähigkeit der regionalen Wirtschaft erhöht.
Quellen: Pressemitteilung der Universität Pécs zum Abschluss des Projekts, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Pécs, Projektdatenbank der Universität Pécs, Nationales Amt für Forschung, Entwicklung und Innovation.